Gebetsanregung
Aus dem
Matthäusevangelium 23, 1-4.23-24.34.36
Darauf wandte sich Jesus
an das Volk und an seine Jünger und sagte: Die Schriftgelehrten und die
Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also
alles, was sie euch sagen, aber richtete euch nicht nach dem, was sie tun; denn
sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnüren schwere
Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber
aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.
Weh euch, ihr
Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze,
Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Gerechtigkeit,
Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Blinde
Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele. Darum hört: Ich
sende Propheten, Weise und Schriftgelehrte zu euch; ihr aber werdet einige von
ihnen töten, ja sogar kreuzigen, andere in euren Synagogen auspeitschen und von
Stadt zu Stadt verfolgen. Amen, das sage ich euch: Das alles wird über diese
Generation kommen.
Jesus nimmt in
seiner Rede die Schriftgelehrten und Pharisäer als Führer des religiösen Volkes
Israel in den Blick. Neben vielen Vorwürfen kommt auch der Vorwurf, dass sie das
Wichtigste außer Acht lassen: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Dieser
Vorwurf muss heute auch so manch einem Arbeitgeber (auch kirchlichen
Arbeitgeber) gemacht werden. Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Treue haben
keinen Platz im Denken und Handeln manch eines Arbeitgebers. Deshalb benötigen
wir gerade heute Menschen, die sich gesandt wissen wie die Propheten, die Gott
in seinen Dienst stellt, damit die Schriftgelehrten und Pharisäer wieder
erkennen, was notwendig ist. Die Betriebsräte sind gesandt von ihren
Kolleginnen und Kollegen, um Missstände aufzudecken und Gerechtigkeit,
Barmherzigkeit und Treue als Maßstab für das Handeln eines klugen Arbeitgebers
in die Tat umzusetzen – „Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.“ Leider
werden Menschen, die sich einsetzen für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue
den Angriffen vieler ausgesetzt!
Aus dem
Matthäusevangelium 25, 14-23
Es ist wie mit eine
m
Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein
Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.
Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu
wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu.
Ebenso gewann der, der
zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten
hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu
verlangen.
Da kam der, der die fünf
Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast
du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazu gewonnen. Sein Herr sagte zu
ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein
treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm
teil an der Freude deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten
hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe
noch zwei dazu gewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein
treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm
teil an der Freude deines Herrn!
Jesus Christus
weiß es, nicht jeder hat die gleichen Talente, die gleichen Fähigkeiten. Allerdings
hat jeder die Möglichkeit, seine Fähigkeiten einzusetzen für das Reich Gottes.
Was wir daraus machen liegt in unserer Verantwortung. Wir können allen
Arbeitsfähigen eine Arbeitsmöglichkeit schaffen.
Gebet
Es wäre so
einfach, Herr
Es wäre so einfach, HERR,
den Kampf für eine bessere Welt aufzugeben …Diese Welt, die stets neu geboren
wird!
Es wäre so einfach, sich
vor den ermüdenden Sitzungen zu drücken, auf diese Diskussionen, diese
Berichte, diese zähen Verhandlungen. Ich zweifle mehr und mehr, dass das alles nützt.
Es wäre so einfach, auf
solche Stimmen um mich her zu hören, weise Stimmen, freundschaftliche und sogar
sehr liebevolle Stimmen, die mir sagen: Du gibst dich aus, du kämpfst ganz
sinnlos, du gehst am Wesentlichen vorbei. Es wäre dann so einfach, mich in mein
Haus zu verziehen, meine Abende für mich zu haben, am Wochenende frei zu sein
für das Lachen der Kinder, die Umarmung meiner Frau.
Es wäre viel einfacher,
HERR, am Rande zu sitzen, sich nicht zu beschmutzen, dem Kampf der anderen
zuzuschauen, ihnen Ratschläge zu geben, sie bemitleiden, sie kritisieren …und
für sie beten, es wäre viel einfacher.
Doch, HERR, ist es
wirklich das, was du von mir verlangst? Ich weiß es nicht mehr, ich weiß es
nicht mehr. … Doch wenn du es wirklich willst, noch heute lege ich mein Amt
nieder.
Ich nehme deine
Abdankung nicht an, mein Freund, spricht der Herr.
Höre nicht auf
diese Stimmen, sie kommen nicht von mir. Nichts geschieht ohne dich und deine
Mitstreiter, denn ich habe euch gemeinsam verantwortlich gemacht für Welt und Menschen.
Doch auch nichts geschieht ohne mich …
Und das ist es
wohl, was du hier und da vergaßest! Geh nun, mein Freund, und ruhe dich aus,
und morgen, du und ich, ich und du, wir ziehen gemeinsam Hand in Hand von neuem
in den Kampf (nach: Michel
Quoist, Neue Gebete, Graz 1990, S. 41 - 44)
Lieder
GL 844 Zeige uns den Weg,
1. - 3. Strophe
GL 881 Lass uns in deinem
Namen Herr
GL
882 Kleines Senfkorn Hoffnung