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Wort-in-Bewegung

"Nachklang" zum Evangelium

Wir erfahren täglich, dass der Bedarf nach "geistlicher Nahrung" in der aktuellen Krise sehr groß ist. Bundespräses Stefan Eirich hat sich daher dazu entschlossen, an jedem Montag bis Mitte April jeweils einen "Nachklang" zum Evangelium des vorangegangenen Sonntags zu veröffentlichen. 

Mentales Corona

Köln, 22.03.2020. Manchmal wirkt ein bestimmter Satz aus einem Sonntagsevangelium wie ein Ohrwurm. Wenn man ihn dann auch noch unter den Vorzeichen der akuten Coranakrise zu hören bekommt, wird man ihn kaum noch los. In seiner am Vierten Fastensonntag vorgelesenen Erzählung von der Heilung eines Blinden platziert der Evangelist Johannes den Ohrwurm gleich zu Beginn: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst, oder seine Eltern, so dass er blind geboren wurde?“ (Joh 9,2). Nach damaliger religiöser Vorstellung eine völlig normale Frage. Blindheit als eine Strafe Gottes für eine schwere Sünde oder, wie die Jünger vermuten, die Geburt eines blinden Kindes als Vergeltung für die Verfehlungen der Eltern.

„Wer hat gesündigt? Wer ist schuld?“  Die Frage der Jünger ist nicht nur zeitbedingt, sondern liefert meiner Meinung nach ein damals wie heute gängiges Bewältigungsschema für eine ebenso diffus wie bedrängend erfahrene Bedrohung. Diese verliert an Schärfe, wenn sich eine Ursache, noch besser aber, ein Verursacher identifizieren lässt. Doch mit dieser Art von „Ursachenforschung“ geht ein Infektionsrisiko einher, das jenes der realen Ansteckungsgefahr durch den Virus bei weitem übertrifft. Populistische Schuldzuweisungen, wie sie Donald Trump gegenwärtige in Richtung China richtet, die Fokussierung der chinesischen Medien auf einreisende Ausländer als eigentliche Gefahrenquellen und weitere, zahlreiche gegenseitige Stigmatisierungen weltweit tragen wesentlich dazu bei, die Nationen noch mehr als vor der Krise auf Abstand zu halten. Doch auch in unserem Land nehmen Verschwörungstheorien und die Suche nach „Schuldigen“ im Diskurs der sozialen Medien einen beängstigend breiten Raum ein: vor einigen Wochen begann es mit dem Virusverdacht bei fernasiatisch aussehenden Menschen; aktuell wird mit dem Finger auf ein „paar Unvernünftige“ gezeigt, die sich noch immer in Gruppen treffen oder wortwörtlich „in Scharen“ herumziehen; in naher Zukunft wird vielleicht den heutigen Entscheidern aus Medizin, Politik und Wirtschaft ein erhebliches Maß zumindest an „Mitschuld“ zugeschoben. Hier zeigt sich der mentale Coronavirus. Er wird noch viel länger und mit größeren Schäden wirken als seine materielle Erscheinungsform.

„Wer ist schuld?“ Die sich im Johannesevangelium an die Begegnung mit dem Blinden und dessen Heilung anschließende Auseinandersetzung macht klar, dass diese Frage nicht nur falsch gestellt, sondern an sich falsch ist.  Die Antwort Jesu lautet: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ (Joh 9,3). Ich verstehe darin die Aufforderung, dass wir uns nach dem Vorbild der ersten Christen mit den Katastrophen unserer Zeit intensiv auseinandersetzen und versuchen sollen, ihnen einen religiösen Sinn jenseits der Suche nach Schuldigen abzugewinnen. Noch mehr aber sollten wir uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass aus dem aktuellen Geschehen die entsprechenden politischen und sozialethischen Konsequenzen gezogen werden. Dabei ist es durchaus richtig, unter Verzicht auf Schuldzuweisungen nach Schuldzusammenhängen zu suchen. Die Welt „vor Corona“ hat hierzu einiges zu bieten!

In weniger als drei Wochen feiern wir Ostern. Die Rahmenbedingungen unseres höchsten Festes werden in diesem Jahr denkbar „seltsam“ sein. Aber die Botschaft ist und bleibt unverändert: der „Ohrwurm“ vom Gott Jesu Christi, der die Schuldzusammenhänge dieser Welt durchbricht und einen Neuanfang ermöglicht.

Stefan-B. Eirich, KAB Bundespräses

KAB Bundespräses Stefan B. Eirich

Der KAB-Bundespräses in seinem monatlichen Podcast über die geistliche Seite der Corona-Krise

Was ich schon jetzt vermisse - drei Fragen an Bundespräses Stefan-B. Eirich

KABOnline: Herr Eirich, auch wenn der totale Shutdown noch nicht komplett stattgefunden hat, so ist das öffentliche Leben dennoch fast zum Erliegen gekommen. Auch der private Bereich ist von immer mehr Einschränkungen betroffen. Was vermissen Sie schon jetzt?

Eirich: Die Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen, die mir am Herzen liegen. Beispielsweise meine Eltern: Schon Anfang März hat das Altenwohnheim, wo sie leben, den Zugang stark reduziert und Ende vergangener Woche dann gänzlich untersagt. Natürlich telefonieren wir miteinander. Aber die beiden auf unabsehbare Zeit nicht besuchen zu können, damit muss ich erst einmal fertig werden. Hinzukommt, dass ich bislang auch mit Freunden lieber von Angesicht zu Angesicht Kontakt gehalten habe. Ich bin nun einmal kein großer und schon gar nicht strukturierter "Digitalkommunikator" - kurzfristige Verabredungen liegen mir mehr.

KABOnline:  Der uns auferlegte Verzicht auf direkte soziale Kontakte erinnert ein wenig an die beliebte Frage nach den drei wichtigsten Dingen, die man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Welche drei sind für Sie in diesen Tagen wichtig?

Eirich: Beim ersten Ding muss ich ein bisschen mogeln, denn es geht um einen ganzen Stapel an ungelesenen Büchern, Romane und Fachliteratur, auf die ich schon lange neugierig bin. Zweitens ist da mein Klavier einschließlich Noten. An dritter Stelle wäre da noch ein Koffer mit liturgischen Gegenständen, obwohl es sich irgendwie falsch anfühlt, Gebet und Liturgie ohne andere zu leben. Gerade in den Kar- und Ostertagen wird das sehr schwer werden.

KABOnline: Damit sprechen Sie das an, was für die meisten von uns bislang schier undenkbar ist: wochenlang mit sehr eingeschränkten Gemeinschaftsmöglichkeiten zurecht kommen zu müssen.

Eirich: Ja, man muss schon ziemlich um die Ecke denken, um zu begreifen, was gerade abläuft. Die Bilder in den Medien zeigen, wie sehr wir uns nach Gemeinschaft und Kontakt, Berührung im wahrsten Sinn des Wortes sehnen und nun sollen wir in kürzester Zeit zu einer großen Gemeinschaft von "Gemeinschaftsentbehrern" werden. Aber Selbstmitleid hilft da nicht. Ich selber habe mir vorgenommen, in den nächsten Wochen gerade mit denen Verbindung aufzunehmen und zu halten, von deren Einsamkeit ich weiß. Weil es mir aber auch darauf ankommt, einen handfesten Beitrag leisten zu können, hoffe ich, mich bald im Rahmen eines der vielen spontan entstandenen Hilfsangebote engagieren zu können.

Anmerkung der Redaktion: in loser Abfolge werden Sie hier weitere Kurzinterviews finden.
Gerne können Sie uns auch über die drei "Dinge" schreiben, die Sie in den Tagen der Corona-Krise vermissen. Richten Sie Ihre Mail an stefan.eirich@kab.de.

Gebet

Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die Angst haben vor einer Infektion,
für alle, die sich nicht frei bewegen können,
für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern,
für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmittel suchen,
dass Gott unserer Welt in dieser Krise seinen Segen erhalte.

Allmächtiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke.
Viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten.
Beschütze uns vor einer Erkrankung durch den Corona-Virus.
Gib uns Klugheit in der rechten Sorge um unsere Gesundheit, frei von Ängstlichkeit als auch von
Gleichgültigkeit. Stärke unser Vertrauen.
Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind, tröste ihre Familien,
gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit,
den Ärzten, Krankenschwestern und Freiwilligen Energie und Kraft,
den Verstorbenen das ewige Leben.
Uns stärke im Glauben, dass du dich um jede und jeden von uns sorgst und
dass unser Leben in deiner Hand geborgen ist.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

© Pfr. Stefan Mai, Gerolzhofen

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