Vor wenigen Jahren stand dieses zynische Angebot auf einer der Protesttafeln zu lesen, mit der in München verzweifelte Familien auf ihre Not angesichts eines über 20 Euro gestiegenen Quadratmeterpreises hinwiesen. Heute beträgt der Durchschnittspreis in der bayrischen Hauptstadt 25 Euro.
„Mieten fressen Einkommen“
„Biete Kellerloch …“ Die Anspielung auf den nicht gerade kinderfreundlichen König Herodes ist mit dem Blick auf Vermieter und Makler, für die nur noch die maximale Rendite zählt, noch weniger schmeichelhaft als der Vergleich mit den unbarmherzigen Wirten, die in keinem Krippenspiel fehlen dürfen. Apropos Herberge: Aus den Zahlen, die der Paritätische Wohlfahrtsverband Anfang Dezember unter der Überschrift „Mieten fressen Einkommen“[1] vorgelegt hat, geht hervor, dass in Deutschland immer mehr Menschen mit wenig Geld durch ihre Wohnkosten noch ärmer werden. Besonders hoch fällt die sogenannte Wohnarmut bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahren und bei älteren Menschen ab 65 Jahren aus. Aber auch ein Drittel aller Paare mit drei oder mehr Kindern und fast die Hälfte aller Alleinerziehenden ist von überteuerten Mieten betroffen. Immer mehr Menschen zahlen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für das Wohnen. Fünf Millionen von ihnen gehörten damit zusätzlich in die offizielle Armutsstatistik, die für 2024 für unser reiches Land beschämende 15 Millionen Menschen ausweist, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben. Es gibt keine belastbaren Angaben darüber, wie viele Personen Ende 2025 in Deutschland abgesehen von einer Millionen Wohnungsloser auf der Suche nach einer bezahlbaren „Herberge“ sind. Aber die Hinweise der genannten Studie weisen in eine erschreckende Richtung.
Kein sozialer Frieden schon gar nicht an Weihnachten
Wer mehr als ein Drittel seines Einkommens, zuweilen ist es mehr als die Hälfte, in die Miete investieren muss, der landet über kurz oder lang auch vor der Tür unserer Gesellschaft bzw. in deren Kellerlöchern. Die vielbeschworene „Teilhabe“ ist denen nicht mehr möglich, bei denen das Geld kaum noch für die Grundbedürfnisse reicht. Die Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands belegt, dass der Faktor „Wohnen“ mittlerweile zu den schlimmsten Angsttreibern gehört und als solcher massiv mit zur Gefährdung des sozialen Friedens beiträgt. Denn immer mehr Menschen der sogenannten Mittelschicht fürchten um ihren Wohlstand und suchen nach plausiblen Erklärungen für ihr wachsendes Verarmungsrisiko. Einfache Erklärungen wie: Die „Anderen“, die „Fremden“, die „Geflüchteten“ sind schuld an der Wohnungs- und Mietmisere, verfangen immer öfter insbesondere bei denen, die sich fragen müssen, ob es das letzte Weihnachten in diesen vier Wänden ist, weil sie sich die Wohnung im nächsten Jahr nicht mehr leisten können.
Ein Menschenrecht …
Die gesellschaftlichen Folgen reichen aber noch weiter. Die Gewissheit „Menschenwürdigen Wohnenkönnens“ ermöglicht ja erst im Wesentlichen unser Zusammenleben. Unsere Wohnungen sind der Lern- und Praxisort von Kommunikation. Unsere „Herbergen“ sind die Rückzugsorte, wo wir aufatmen können und geschützt sind vor den Forderungen und Blicken der „anderen“. Weil menschenwürdiges Wohnen so betrachtet für unsere Gesellschaft absolut unabdingbar ist, stellt es im eigentlichen Sinn ein Menschenrecht dar.
… und dessen Leugner
Bleibt die Frage, in welchem Maß sich die „Wirte“ und „Herodesdarsteller“ im Krippenspiel der Advents- und Weihnachtszeit des Jahres 2025 ihrer Rolle im realen Gesellschaftsleben bewusst sind und sich nicht gleich hinter dem Standardhinweis verschanzen, Opfer einer Gier- und Neiddebatte zu sein. Wissen diejenigen, die wegen Bagatellvergehen Kündigungsklagen einreichen oder aufgrund von Eigenbedarf bezahlbare Mietverhältnisse beenden, was sie anrichten? Wie viele von ihnen beteiligen sich mit vollem Bewusstsein an Wertsteigerungsstrategien, die die Verdrängung der bisherigen „unrentablen“ Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur in Kauf nimmt, sondern zur Voraussetzung hat? Ist ihnen klar, dass sie Lebensläufe, Beziehungen, ja die Zukunft selbst der von ihren Entscheidungen betroffenen Menschen gefährden und am Ende zerstören? Welche Verantwortung laden Politikerinnen und Politiker auf sich, die nach wie vor den Selbstregulierungskräften des „freien Marktes“ huldigen und das Mietpreisgeschehen im Land für eine „Naturgegebenheit“ halten?
Gottes Herbergssuche
Die Krippenspiele in den Kindermetten an Heiligabend bieten uns für ein paar Augenblicke die Gelegenheit, die Probleme unserer Gesellschaft draußen vor zu lassen. Der Stall, das Stroh, die Futterkrippe rufen bei vielen Kindheitserinnerungen wach. Für Maria und Josef aber vergegenwärtigen der Stall und das Stroh in der Futterkrippe einfach nur ihren prekären sozialen Status: Eine hochschwangere Frau, ein Mann ohne Einfluss, ohne Geld, ohne Beziehungen. Sie finden keine Bleibe. Nicht weil alle Zimmer bereits belegt sind, sondern weil sie sich diese schlichtweg nicht leisten können. Gott wird somit in einer Welt geboren, die in diesem Sinn keinen Platz für ihn hat. Wo Menschen keinen Raum haben, da hat auch er keinen Raum.
Die Weihnachtsgeschichte endet nach heutigen Verhältnissen im „Kellerloch“. Nicht, damit wir uns daran gewöhnen. Sondern damit wir es ändern.
Stefan-Bernhard Eirich, Bundespräses der KAB Deutschlands
[1]https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/neue-studie-armut-nimmt-durch-hohe-mieten-immer-mehr-zu/
