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Salzwerbung

Anklang zum 5. Sonntag 2026

Kennen Sie einen Werbeclip für Salz? Wann ist Ihnen zum letzten Mal die Werbeanzeige einer Firma aufgefallen, die Fleur de Sel, Meersalz oder Salz aus irgendeiner entlegenen Gebirgsregion auf den Markt bringt? Mir fällt dazu spontan nichts ein. Offensichtlich ist Salz viel zu alltäglich und zugleich einfach zu billig, als dass sich Werbung dafür lohnen würde.

Anders der Evangelist Matthäus. Ich verstehe seine Feststellung in der Bergpredigt, dass Menschen in der Gemeinschaft Jesu „Licht“ und „Salz“ sind, als Aufforderung dazu, Werbeträger und Werbeträgerinnen für Salz zu sein. Oder, genauer gesagt, selber das Werbeprodukt zu werden. Deshalb sollen wir begreifen, dass wir „das Licht der Welt“ sind. Es geht um unser gewinnendes, weil überzeugendes Auftreten und Handeln. „Licht der Welt“ heißt für mich, „Mit euch fällt man/frau positiv auf“, „mit euch kann man/frau sich sehen lassen“ und, „was ihr nach meinem Vorbild sagt und tut, hat Leuchtkraft.“ Dies klingt fast nach dem frischerlösten Dauerlächeln bestimmter Glaubensrichtungen oder den ultimativen Tipps, die die christliche Influencerin Nathalie Years auf ihrem gleichnamigen TikTok-Account zum „Jesus Glow“ gibt: Ein besonderes Strahlen, das angeblich Menschen auszeichnet, die mit ihrem Glauben im Reinen sind[i]. Beides erinnert an das dienstverpflichtende Lächeln für Stewardessen, Verkäufer und natürlich auch Krankenschwestern und Lieferfahrer. Sie alle sind strikt angehalten zu lächeln, Freundlichkeit gehört gewissermaßen zum „Lieferumfang“.

Matthäus aber stellt vor seine Aufforderung zu gewinnendem Auftreten den Salzspruch: „Ihr seid das Salz der Erde“. Nach seiner Überzeugung können wir nur „Licht“ und damit für andere anziehend sein, wenn wir zugleich Salz sind. Salz soll Speisen würzig und haltbar machen. Menschen, die in diesem Sinn Salz sind, machen das Leben würzig und schmackhaft, bringen Pfiff ins Leben und machen es am Ende nachhaltig. In der Übersetzung bedeutet dies: Menschen, die „Salz“ sind, die orientieren sich an der Bergpredigt. Sie engagieren sich für andere; sie bleiben bei der Wahrheit und setzen sich für Gerechtigkeit ein. „Salzmenschen“ deuten nicht mit dem Finger auf andere, sondern kehren vor der eigenen Haustüre. Großartige Selbstinszenierungen sind ihnen zuwider; anstatt dessen packen sie einfach an, wo sie gebraucht werden. Menschen, die „Salz“ sind, deren Glauben erkennt man nicht an langen Gebeten oder überbordenden Liturgien, sondern ganz einfach daran, dass sie in fordernden Zeiten wie der unsrigen mit Gelassenheit und Zuversicht leben. Sie bieten ohne die üblichen Verteufelungen politischen Extremisten die Stirn und benennen Menschenrechtsverletzungen ohne große Umschweife beim Namen. Wer „Salz“ ist, braucht nicht viel reden, keine Grundsatzdebatten führen und muss auch nicht für sich, seine Kirche oder seinen Verband großartigen Kampagnen auf den Weg bringen. Matthäus ist davon überzeugt, dass die Menschen von ganz alleine auf die „Salzmenschen“ in ihrer Mitte aufmerksam werden und sie werden sich fragen, woher sie diese Kraft haben. Für ihn ist klar: Echte äußere Ausstrahlungskraft mit Langzeitwirkung kommt von der inneren Einstellung.

Werbung für Salz? Salz ist so notwendig, dass es dafür keine Reklame braucht. Salz spricht und wirbt für sich selber. Bestenfalls genügt ein Blick in den Spiegel …
 

 

[i] Vgl. www.ndr.de/kultur/jesus-glow-und-die-christfluencer-wenn-der-glaube-viral-geht,christfluencer-100.html