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28.06.2017

Digitalisierung beschleunigt die Automatisierung

Die Digitalisierung ist die technische Weiterentwicklung der zunehmenden Automatisierung der Produktions- und Steuerungsprozesse in der Wirtschaft. Über diese fortschreitende Automatisierung konnten sich die Teilnehmer*innen des europäischen Seminars zur Digitalisierung anschaulich am österreichischen Standort des Schweizer Sanitärprodukt-Hersteller Geberit in St. Pölten ein Bild machen.

"Bei Geberit geht es im Wesentlichen um eine kontinuierliche technische Weiterentwicklung der Automatisierung der Produktion und um keine industrielle Revolution", erläuterte der Geschäftsführer Helmut Schwarzl den Seminarteilnehmern. Der Begriff "vierte industrielle Revolution", kurz Industrie 4.0, sei weniger eine echte Revolution als vielmehr ein Marketingbegriff, den die deutsche Bundesregierung auf der Hannover-Messe 2011 im Rahmen des Aktionsplans zur High-Tech-Strategie 2020 in die Öffentlichkeit brachte, erläuterte Referent Stefan Perini vom Bozener Arbeitsförderungsinstitut AFI. Dahinter stand und stehe, so Perini, das Bestreben der deutschen Bundesregierung einen Paradigmenwechsel im Produktionssystem einzuleiten, um durch eine gezielte industrielle Politik den Aufschwung der deutschen Wirtschaft anzutreiben.
Neben Automatisierung, Profitsteigerung und Wirtschaftswachstum wird mit der Digitalisierung auch eine "Transformation des Eigentums, der Machtverhältnisse, der Aneignung des Mehrwertes der Arbeit und der Wertschöpfung durch tiefe Einschnitte in den Unternehmensstrukturen erfolgen", befürchtet Michael Schäfers, Leiter des KAB-Grundsatzreferates.

Zentraler Stellenwert Weiterbildung
Unklar seien die Auswirkungen auf die Arbeitswelt, so die Seminarteilnehmer. Schätzungen des World Economic Forums gehen von einem Verlust von 7,1 Millionen Arbeitsplätzen in den kommenden zwei Jahren aus. Dem stehen lediglich 2,1 Millionen neue digitale Arbeitsplätze gegenüber. "Das Internet darf nicht zu einer Dimension unserer Lebens- und Arbeitswelt verkommen, wo weder Recht noch Gesetz gelten", forderte Andreas Gjecaj, Generalsekretär der Fraktion Christlicher Gewerkschafter im Österreichischen Gewerkschaftsbund. (ÖGB). In einem 12-Thesen-Papier legte Gjecaj dar, dass völlig neue Arbeitsbeziehungen, Arbeitsplätze, Arbeitsverträge entstehen. Ohne verbindliche Regelungen, die auch für sämtliche Internet-Plattformen gelten,  kommt es so zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, besonders junge Menschen werden um einen Zugang in reguläre Arbeitsverhältnisse betrogen. Aus- und Weiterbildung erhält einen zentralen Stellenwert in der sich ständig wandelnden digitalisierten Arbeitswelt, so der österreichische Gewerkschafter.

Die Seminarteilnehme*innen des europäischen Seminars über die Digitalisierung ließen sich die Automatisierung der Produktionsabläufe beim Sanitär-Produkt-Hersteller Geberit in St. Pölten erklären. Foto: Wienen