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Bundesdelegiertenversammlung

Köln, 20. Juni 2021. Beate Schwittay aus Köln ist neue Bundesvorsitzende der KAB Deutschlands. Die 59-jährige Theologin und frühere Bundesgeschäftsführerin des Katholischen Deutschen Frauenbund bildet gemeinsam mit dem Bundesvorsitzendem Andreas Luttmer-Bensmann und Bundespräses Stefan-B. Eirich, die in ihrem Amt bestätigt wurden, den neuen Bundesvorstand.

WERTvoll arbeiten in der Zukunft

Der Leitantrag „Für ein christliches Miteinander in der Arbeitswelt! WERTvoll arbeiten – menschenwürdig statt prekär“ wurde am Samstagnachmittag diskutiert und heute morgen mit großer Mehrheit verabschiedet.

Interview zum Leitantrag

Der Leitantrag zur KAB Bundesdelegiertenversammlung 2021 im Interview mit Dr. Michael Schäfers, Referent Politik&Strategie der KAB Deutschlands.

Interview mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Was kann bzw. muss die Kirche für die Abschaffung prekärer Arbeit tun?

kab-online:
Was hat der Wandel in Wirtschaft und Arbeitswelt für die Kirchen, fürs Bistum Essen für die einzelnen Pfarreien bedeutet ? Warum ist es heute so schwer, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erreichen?

Bischof Overbeck: Wie in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft spüren wir auch in der Kirche, dass die Bindungskräfte nachlassen. Das gilt ebenso für Betriebe oder Gewerkschaften. Wir  sind keine Volkskirche mehr und müssen uns den Herausforderungen stellen, die mit einem neuen Selbstverständnis einhergehen. Damit sind viele Chancen verbunden, vor allem mit Blick auf junge Christinnen und Christen. Ich halte es für wichtig, sie zu ermutigen, frei und selbstbewusst ihre Haltung dazu zu entwickeln, was es für sie bedeutet, heute Christin und Christ zu sein. Ihre Lebenswirklichkeit muss ein zentraler Maßstab dafür sein, mit welchen Angeboten die Kirche den Menschen heute begegnet.

kab-online: Corona hat wie ein Brennglas die soziale Schieflage deutlich gemacht. Soloselbstständige, Künstlerinnen und Künstler und viele andere Branchen. Gerne wurde von systemrelevanten Arbeiten gesprochen. Inwiefern liegt in dieser Pandemie-Krise die Chance, Gesellschaft und Wirtschaft neu zu gestalten?

Bischof Overbeck: Was uns Papst Franziskus in Erinnerung ruft, ist: „Wir sitzen alle im selben Boot.“ Ich empfinde daher die Systemrelevanz als einen zwiespältigen Begriff: Letztlich ist jeder Mensch für sich und aus sich heraus wertvoll und relevant, nicht weil er eine bestimmte Leistung erbringt. Nach den Erfahrhungen der Corona-Pandemie sollten wir die Debatte über den Wert von Arbeit neu führen. Es geht darum, die Würde der Arbeit von Menschen zu erkennen und zu honorieren, die oft als selbstverständlich hingenommen wird.

kab-online: Wie muss Arbeit heute aussehen und was muss die Politik tun, damit Menschen von ihrer Arbeit leben können ?

Bischof Overbeck: Die Politik muss vor allem einen Rahmen für die wirtschaftliche Tätigkeit setzen. Innerhalb der von der Politik vorgegebenen Leitlinien kommt es dann auf die Verantwortung der handelnden Personen und Organisationen an, etwa die Sozialpartner. Für die Entstehung guter Arbeitsverhältnisse müssen Menschen zuallererst würdig und fair behandelt werden. Unternehmerinnen und Unternehmer dürfen aber auch nicht zu stark eingeschränkt sein, damit sie ihre Fähigkeiten – und die ihrer Angestellten – im Sinne des Gemeinwohls entfalten können.

Das gesamte Interview mit Bischof Overbeck als pdf-Datei

Sonntagspläne des Handels sind Angriff aufs Grundgesetz

KAB-Delegierte verabschieden Initiativantrag zum Sonntagsschutz

Köln. „Mit den Kirchen und Gewerkschaften in Deutschland wird es keine Grundgesetzänderung des Artikel 140 geben“, betont Bundespräses Eirich. Die KAB Deutschlands kritisiert den erneuten Versuch des Handelsverband Deutschland (HDE), im Vorfeld der Bundestagswahl den sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Rhythmus der Woche in Frage zu stellen. „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“, so das Grundgesetz. Die Bundesdelegiertenversammlung der KAB sprach sich gegen die HDE-Pläne aus, Sonntagsöffnungen in diesem Jahr grundsätzlich möglich zu machen. „Kaufhäuser sind keine Orte der seelischen Erbauung wie Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen. Im Gegenteil für die Beschäftigten im Einzelhandel bedeuten Ladenöffnungen an Sonn- und Feiertagen soziale und gesellschaftliche Ausgrenzung, weil sie mit ihren Familien nichts unternehmen können, sondern hinter den Ladentheken stehen müssen“, so Stefan Eirich.

Warnung an Politik
Die KAB Deutschlands warnt davor, Sonntagsöffnungen als Innenstadtbelebung verkaufen zu wollen. „Im Gegenteil, Studien zeigen, dass verlängerte Ladenöffnungszeiten und Shopping-Sonntage führen zur Konzentration im Handel und damit zu unbezahlbaren Mieten in den Innenstädten“, so Eirich. Die KAB Deutschlands warnt die Politik, den vom Grundgesetz geschützten freien Sonntag Corona zu opfern.

Bundesweite Sonntagsschutz-Aktionen am 3. Juli
Gemeinsam mit Gewerkschaften wird die KAB Deutschlands in der bundesweiten Allianz für den freien Sonntag juristisch und gesellschaftlich für den Sonntagsschutz sich weiter einsetzen.  „Wir werden den Angriff des HDE auf den Sonntag stoppen“, so Eirich. Die KAB wird bundesweit am 3. Juli an den arbeitsfreien Sonntag erinnern, der vor 1700 Jahren durch Kaiser Konstantin als Feiertag in Kraft trat. Unter dem Motto „#ohneSonntagfehltunswas“ werden KAB-Gruppen zur Beteiligung an einer große Sonntags-Picknickdecke in den Innenstädten aufrufen.

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