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Fachtagung "Digital global"

"Digitalisierung aktiv gestalten - weltweit!"

Köln/Haltern, 11. Dezember 2018. In Kooperation mit der KAB Deutschlands, dem Weltnotwerk der KAB sowie dem KönzgenHaus fand Anfang Dezember eine zweitägige Fachtagung mit dem Titel „Digital global: Risiken und Chancen von Arbeit in der Zukunft“ in Haltern am See statt. Kann die globale Digitalisierung – in der Arbeitswelt und im täglichen Leben – tatsächlich extreme Armut, Ungleichheit und Ungerechtigkeit beenden und zudem eine ökologische Trendwende einleiten?

Digitalisierung frisst Ressourcen - eine ökologische Zeitbombe

„Die Digitalisierung verringert nicht unseren ökologischen Fußabdruck, im Gegenteil, allein durch die Einführung des Autonomen Fahrens würde der Energiebedarf durch das extreme Anwachsen der Datenströme außerordentlich zunehmen“, betonte Sven Hilbig, Referent für Welthandel vom Entwicklungswerk „Brot für die Welt“. „Die Batterie eines Elektroautos enthält 10.000 mal so viel Lithium wie ein Handy.Akku.“ Der damit steigende Bedarf an Rohstoffen aus Afrika und Südamerika sei ein gravierendes Problem für soziale und ökologische Nachhaltigkeit im globalen Süden. „Der digitale Handel, wie hier mit Rohstoffen, droht außerdem den Spielraum für Entwicklungs- und Schwellenländer einzuschränken, die digitalen Lieferketten erhöhen vor allem die Wertschöpfung von global agierenden Konzernen und Plattformen“. 

Fehlende gesetzliche Regulierungen

In ihren Statements zu den Auswirkungen einer rasant steigenden Digitalisierung im globalen Kontext berichteten Sarah Prenger, Präsidentin der internationalen Jugendorganisation CAJ und Caro Moch, ebenfalls CAJ; von ihren Erfahrungen aus einer internationalen Konferenz in Indonesien. Gerade die Jugendlichen – und das weltweit – sind gezwungen mit den neuen Formen der Erwerbsarbeit umzugehen und den Herausforderungen in der digitalen Arbeitswelt zu begegnen. „Digitale Arbeit muss zwingend eine Arbeit sein, die einen rechtlich geklärten und gesicherten Arbeitnehmerstatus hat“, forderte Prenger. Es müsse eine Diskussion in Gang gesetzt werden, wie im digitalen Kapitalismus die Arbeitsbedingungen, etwa über Mitbestimmungsrechte, mitgestalten werden können.

Digitaler Quantensprung in Afrika

Dr Pedro Morazan vom Südwind Institut thematisierte den digitalen Geldtransfer von Arbeitsmigranten nach Asien und Afrika. In Afrika passiert gerade ein evolutionärer Quantensprung – von der Agrargesellschaft ins digitale Zeitalter. Das Smartphone hat den Kontinent vernetzt wo Straßen, Bahnhöfe und Flughäfen fehlen. Mobile Money – viele Millionen Afrikaner nutzen ihr Handy wie ein Bankkonto. Sie laden Geld auf, überweisen es, heben es ab, begleichen Rechnungen – ein völlig neues Handy-basiertes Bankensystem, dass Milliarden umsetzt. Aus der Not der Unterentwicklung wurde ein technologischer Fortschritt gemacht.

„Es ist ungemein wichtig, dass die Regierungen, Handelskammern und die digitale Community Regeln setzt, wieweit die globalen Konzerne sich in die lokale Technologieszene und Industrie einbringen dürfen, damit die lokale Start-up Szene geschützt wird“, so Morazan zu der rasanten Entwicklung.

Die Gestaltung der Digitalisierung soll dem Gemeinwohl dienen, war ein Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der abschließenden Reflexionsrunde. Sie darf nicht einseitig auf die Förderung einer wirtschafts- und wachstumspolitischen Agenda abzielen, sondern muss auf sozial-, umwelt-, entwicklungspolitische Ziele ausgerichtet sein. Eine nachhaltige Digitalisierung bedeutet sinnvolle, menschenwürdige Arbeit, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Lebensstile.

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