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Europäisches Seminar

„Die Zukunft der Arbeit in einem globalisierten Europa“

Köln, 3. Juli 2019. Vertreter*innen von Arbeitnehmerorganisationen aus Deutschland, Österreich, Italien, Tschechien und den Niederlanden trafen sich Ende Juni zu einem europäischen Seminar unter der Federführung der KAB Deutschlands in München. „Wir wollen mit diesem Seminar Kriterien für eine zukünftige Arbeitswelt beschreiben, an denen sich die KAB in den nächsten Jahren für ihre Projekte, Aktionen und Kampagnen orientieren kann“, erklärt Seminar-Leiter Wilfried Wienen von der KAB Deutschlands die Intention des Treffens.

Die Globalisierung erzeugt Krisen, die wiederum Wirtschaft und Gesellschaft sowie Arbeitnehmerorganisation vor multiple Herausforderungen stellen. Klimawandel, Politikverdrossenheit und Populismus, Entfremdung, Verteilungskonflikte, Existenzängste, , Massenmigration sind nur einige der möglichen Konfliktfelder. „Dazu bedarf es der Fähigkeit auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben und auf diese Herausforderung kreativ und flexibel zu reagieren, auch als Resilienz bezeichnet“, so Wienen weiter.

Als mögliche Auswege im Sinne einer Resilienz wurden im Seminar Beispiele von Basisinitiativen, wie z.B. die Formen der Arbeit bei Transition Town Friesach in Österreich und in der Genossenschaft Amos eG in Deutschland besprochen. Dazu wurden im Seminar zwei alternative Ansätze präsentiert und in Hinblick auf arbeitsgesellschaftliche Zukunftsfragen diskutiert: zum einen der Postwachstums-Ansatz und zum anderen die Gemeinwohlökonomie.

Dr. Bernhard Leubolt von der Katholischen Sozialakademie Österreichs in Wien erläuterte wie eine Wirtschaft ohne Wachstum dennoch gut oder sogar besser funktionieren kann. Wachstum sei nicht mehr Teil der Lösung von ökologischen und sozialen Problemen, sondern Teil des Problems geworden. Er argumentierte, dass hohe wirtschaftliche Wachstumsraten in den entwickelten Ökonomien weder weiter möglich noch wünschenswert seien. Die Postwachstumsökonomie plädiere dagegen für eine Abkehr vom konventionellen Wohlstandsmodell, weil moderne Konsumgesellschaften über ihre Verhältnisse lebten und der durch Wachstum aufgebaute Wohlstand nur durch ökologische Plünderung möglich seien.

Jörn Wiedemann von den Terra Instituten beschrieb die Gemeinwohlökonomie als alternative Unternehmens- und Wirtschaftsordnung, die auf Werte, wie Vertrauen, Verantwortung, Mitgefühl, Teilen und Solidarität setzt. Hinter der Gemeinwohl-Bilanz eines Unternehmens verbirgt sich die Idee, den unternehmerischen Erfolg nicht mehr nur am monetären Gewinn zu messen sondern als Fortschritt eines Unternehmens in Richtung Gemeinwohl-Ökonomie. Innovative Vorschläge sind zum Beispiel, dass das Gemeinwohl-Produkt das Bruttoinlandsprodukt als Erfolgsindikator ablöst, die Einrichtung von direkt gewählten regionalen Wirtschaftsparlamenten, die Initiierung einer Fair-Handelszone und die Schaffung von demokratischen Banken. 

„Die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmt. Es entsteht eine neue „Arbeitskultur, die sich der Vielfalt von Lebenslagen und Lebensstilen öffnen muss.“ resümiert Wilfried Wienen. „Die Anforderungen an Arbeit, das Verständnis von Arbeit, die Arbeitsorganisation sowie die Unternehmensorganisation werden sich drastisch verändern“.

Das europäische Seminar wurde vom Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen unterstützt und von der EU-Kommission gefördert.

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