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Prekäre Arbeit in Europa

Während seine Mutter und sein Vater bei ihrer täglichen Schicht Wasseruhren montieren, spielt der 2jährige José Manuel im Nebengebäude mit Gleichaltrigen in der Kinderkrippe. Ort des Geschehens ist eine Fabrik, in der u.a. Wasseruhren und Stromzähler für den europäischen Markt produziert werden. Das Unternehmen gehört zur Janz-Gruppe in Portugal mit insgesamt 450 Beschäftigten, davon 170 am Standort Lissabon. Die Kinderkrippe gehört zu einer Reihe von sozialen und kulturellen Einrichtungen, wie z.B. eine Grundschule mit Sporthalle, eine Bibliothek, ein EDV-Raum, ein Kunstraum, ein Ballettsaal, die die Stiftung Ester Janz in einer modern umfunktionierten Fabrikhalle unterhält.

Während der österreichische Unternehmer Bruno Janz bereits im Jahre 1915 mit der Produktion in Portugal begann, ist die Stiftung, die von der Enkelin Ester Janz geleitet wird, seit 1982 aktiv. Ihr Leitmotiv ist, das Unternehmen soll nach Möglichkeit wie eine große Familie funktionieren. Das gemeinsame Mittagessen von Eltern und Kindern, Chefs und Angestellten gehört genauso zum Programm wie die ganzheitliche Bildung der 350 Kinder der Angestellten und aus dem umliegenden Stadtvierteln Lissabons. 

Schon in der Grundschule werden die Kinder an technische Fragen, Sprachen und künstlerische Ausdrucksformen herangeführt. Schulpsychologen und besonders ausgebildetes Personal garantieren Lernmethoden, die die Fähigkeiten der Kinder fördern. Im Zentrum der Produktion im Unternehmen und bei allen Freizeit- und Lernaktivitäten der Stiftung stehen Arbeitszufriedenheit, Förderung der Solidarität und der Chancengleichheit, Arbeit für die Gemeinschaft, Bürgersinn und Kultur. Von prekärer Arbeit also keine Spur. 

Der Besuch der Firma Janz und der Stiftung diente dem Studium eines guten Beispiels über den Zusammenhang von Lebens– und Arbeitsbedingungen in einem betrieblichen Kontext, und das in Portugal, in einem  Land Europas, das derzeit unter einem großen ökonomischen Druck steht.

Die  60köpfige Teilnehmergruppe, darunter eine Delegation der KAB unter Leitung von Wilfried Wienen vom KAB-Europabüro, hatte sich in Lissabon im Vorfeld der Europawahl zu einem Seminars über „Prekäre Arbeit in Europa“ getroffen, ein Seminar, das vom „Centro de Formação e Tempos Livres (CFTL)“ in Lissabon veranstaltet wurde. Denn längst gehören atypische Beschäftigungsformen und prekäre Arbeit zur Normalität in der Arbeitswelt Europas. Leiharbeit, Zeitarbeit, Minijobs, befristete Arbeit, Working Poor, Niedriglohnbeschäftigung usw. sind Kennzeichen eines flexiblen Kapitalismus, der sich in den letzten beiden Jahrzehnten in Europa etabliert hat.

Die Schaffung sozialer Unsicherheit, die Spaltung der Arbeitnehmer in Stamm- und Randbelegschaften, die Erzeugung von Druck auf die Beschäftigten sind das Ergebnis neuer Produktionsbedingungen mit dem Argument der Flexibilität unter dem Deckmantel der Globalisierung. Doch es geht auch anders. Die Janz-Gruppe in Portugal zeigt sehr deutlich, wie eine humane Arbeitswelt gestaltet werden kann, wenn man den Willen dazu hat. Ein starkes Beispiel!

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