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LOC Seminar

Arbeit menschenwürdig gestalten in der digitalen Gesellschaft Europas

Köln/Braga, 12. Juni 2018. Mit einer Aufforderung Initiativen in Europa zu schaffen, die sich für die Durchsetzung menschenwürdiger Arbeit engagieren, endete das internationale Seminar der LOC/MTC im portugiesischen Braga. Zuvor hatten sich die Seminarteilnehmer*innen aus Portugal, Spanien, der tschechischen Republik und von der KAB Deutschlands mit der Geschichte der Industrialisierung auseinandergesetzt und sich in Betrieben vor Ort über die Entwicklung der Digitalisierung informiert. In Portugal selbst ist Industrie 4.0 auf den Weg gebracht. So baut Siemens in Portugal sogenannte Experimentierzentren um Studenten und die Gründerzentren in Portugal dabei unterstützen, sich mit Industrie 4.0 vertraut zu machen. Ein anderes Beispiel ist das Fraunhofer-Institut, das Landwirtschaft 4.0 in Portugal in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Porto erprobt. In der künftigen Landwirtschaft 4.0 werden Satelliten, Smartphones und künstliche Drohnen eine mindestens ebenso große Rolle spielen wie Pflug, Traktor und Mähdrescher. Vernetzte Ernteroboter und fliegende Vehikel sollen Umweltdaten sammeln, Schädlinge aufspüren und Wachstumsprobleme sichtbar machen.

Wilfried Wienen, Referent bei der KAB Deutschlands, zeigte in seinem Vortrag wie in jeder Phase der industriegeschichtlichen Entwicklung neben den technologischen Veränderungen der Stellenwert und die Bedingungen für die Arbeit einem Wandel ausgesetzt war und die Machtkonstellationen sich verdichteten. Der heutige Finanzkapitalismus agiert global, steuert geradezu die digitale Transformation und damit treibt somit den Wandel in der Arbeitswelt sowie in der Gesellschaft voran. Der digitale Kapitalismus ist geographisch vor allem mit dem kalifornischen Silicon Valley und den dort angesiedelten großen Player des digitalen Zeitalters verbunden. Unternehmen wie Microsoft, Apple, Google, Facebook, Amazon usw. sind die im großen Umfang wachsenden Unternehmen der Branche. Hinzu kommt eine unzählbare Anzahl von Startup-Firmen. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Szene eine große Anziehungskraft auf Startup-Investoren, Fondsgesellschaften, Hedge- und Anlagefonds ausübt. Es sind die großen Geld- und Vermögensverwalter und die Datenkonzerne, die aus der Globalisierung und Digitalisierung als Sieger hervorgegangen sind, und machtvoll die vierte industrielle Revolution lenken. 

In der Industrie 4.0, die auch im Dienstleistungsbereich Einfluss gewinnt, wird sich die Arbeitswelt massiv wandeln, so der Ökonom José Castro Caldas von der Universität Coimbra. In der neuen Arbeitswelt wird sich das Verhältnis von Mensch und Maschine verändern. Dabei sind im Zuge eines weiteren Flexibilisierungs-Schubes grundlegende soziale Standards und Arbeitnehmerrechte in Gefahr. Unternehmen haben vielfach nach US-amerikanischem Vorbild das Interesse so weit wie möglich rechtliche Regelungen abzuschaffen und Arbeitsverhältnisse zu flexibilisieren. Arbeitnehmer*innen sollen immer, womöglich rund um die Uhr, verfügbar sein, ohne feste Bezahlung und mit möglichst wenig sozialer Absicherung. Demgegenüber braucht die digitalisierte Wirtschaft ein modernes Arbeitsrecht und hohe sozialrechtliche Standards, forderte der Gewerkschaftler António Brandão Guedes. Er betonte, dass in der Tendenz sich absehen lässt, dass leichte und monotone Tätigkeiten wegfallen werden, während es in den Bereichen, die höhere Qualifikationen erfordern, einen Bedarf an Fachkräften geben wird. Der Erzbischof von Braga, Dom Jorge Ortiga, teilte mit den Teilnehmer*innen ihre Besorgnis und bekräftigte, dass "jeder Mensch das Recht hat zu arbeiten. Die Arbeit muss jedoch qualitätsvoll sein, was heute nicht überall der Fall ist. Arbeit muss heute und in Zukunft menschenwürdige Arbeit sein. Das Leben des Arbeiters und seiner Familie muss ein würdevolles Leben sein, in dem Ausbildung, Arbeit aber auch Kultur und Muße unverzichtbar sind."

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