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Interview Latif

„Die schmutzigen Kraftwerke sofort abschalten“

INTERVIEW MIT DEM PRÄSIDENTEN DES CLUB OF ROME DEUTSCHLAND, DEM KLIMAFORSCHER PROF. DR. MOJIB LATIF

Um den Klimawandel zu stoppen, muss die Politik die Güter auf die Schiene bringen und die nachhaltige Mobilitätswende einleiten. Fahrverbot in Berlin, extreme Hurrikans mit Überschwemmungen und Toten in USA, zig Tausend Tote jährlich durch Feinstaub und Stickstoffdioxid und eine scheinbar unaufhaltsame Erderwärmung gepaart mit einer deutschen Europa-Politik, die Grenzwerte bei Schadstoffen der Autoindustrie tauglich hoch hält. Dass es ein anderes Wirtschaften geben muss und kann, haben die beiden Nobelpreisträger William Nordhaus und Paul Romer und das Müns­teraner Verwaltungsgericht mit seinem Rodungsstopp in Hambach belegt.

Gerhard Endres fragte für KAB-Im­puls den Kieler Klimaforscher vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und Präsident des Club of Rome Deutschland, Prof. Dr. Mojib Latif, ob die Welt noch zu ret­ten ist.

KAB-IMPULS: Sowohl in den USA wie auch in Deutschland wird zum Teil der Klimawandel bestritten. Warum sind Sie so sicher, dass es den Klimawandel gibt?

Prof. Mojib Latif: Wir wissen seit über hundert Jahren, dass Treibhausgase in der Atmosphäre die Erde erwärmen. Die Pole schmelzen, die Meeresspiegel steigen, was schon vor Jahrzehnten vorhergesagt wurde. Jetzt treten diese Schäden ein. Die Auswirkungen des Klimawandels sind unübersehbar.

IMPULS: Viele Menschen sagen: Klimawandel und Temperatur­schwankungen gab es schon immer. Sind diese Temperaturausschläge wirklich etwas Neues?

Latif: Klar gab es immer den Wechsel zwischen einer Eiszeit und einer Warmzeit. Eine Veränderung von glo­bal fünf Grad geschah innerhalb von 10.000 Jahren. Die Geschwindigkeit, wie sich jetzt das Klima verändert, ist einzigartig. Die Temperatur könnte jetzt innerhalb von nur hundert Jahren um fünf Grad steigen. Das ist schon ein großer Unterschied. Eine derartige Klimaänderung wäre für die Mensch­heit einmalig.

IMPULS: Wie sollen wir mit den Leugnern des Klimawandels umge­hen?

Latif: Wir haben das Problem, dass wir in sogenannten „postfaktischen Zeiten“ leben. In den sozialen Medien kann man jeden Blödsinn verbreiten und findet auch noch viele Unterstüt­zer, die sogenannten Follower. Nie­mand hat bisher eine Strategie gefun­den, wie man dagegen vorgehen kann. Wichtig ist, dass man immer wieder dagegenhält, immer wieder auf die Fakten hinweist und nicht von der Fake-News-Bewegung überrollt wird.

IMPULS: Was sollte beziehungswei­se muss die deutsche Politik gegen den Klimawandel tun?

Latif: Es sind drei Bereiche: Da ist zum Ersten der Energiebereich und hier besonders die Braunkohle. Die Braunkohle ist für ungefähr zwanzig Prozent der deutschen Kohlenstoffdioxid-Emissionen verantwortlich, da könnte man die schmutzigsten Kraft­werke s o f o r t abschalten. Das würde der Energiesicherheit keinen Abbruch tun. Zweitens brauchen wir eine Mo­bilitätswende. Wir müssen die Güter auf die Schiene bringen und die Autos müssen wieder kleiner werden. Zudem solle der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden. Und Drittens brauchen wir eine Agrarwende. Ein geringer Fleischkonsum beispielsweise käme der Umwelt und der Gesundheit der Bevölkerung zugute.

IMPULS: In Deutschland hängen am Dieselmotor und der Braunkohle einige Arbeitsplätze. Nicht ganz we­nige Menschen haben Angst um ih­ren Arbeitsplatz. Was sagen Sie die­sen Menschen?

Latif: Wenn wir nicht schnell umstei­gen, werden wir beides verlieren: eine intakte Umwelt und wir werden Ar­beitsplätze verlieren. Denn klar ist, die Welt ändert sich rasant. Das autonome Fahren im Straßenverkehr zum Bei­spiel wird kommen und die erneuerbaren Energien werden sich schnell durchsetzen. Wer jetzt aus welchen Gründen auch immer bremst und blo­ckiert, der wird auch wirtschaftlich das Nachsehen haben.

IMPULS: Sie haben sich als Opti­misten bezeichnet. Worauf stützen Sie Ihre Meinung, dass der Klima­wandel durch den Menschen ge­stoppt und in eine andere Richtung gedreht werden kann?

Latif: In der Vergangenheit sind im­mer Dinge geschehen, die man nicht vorhergesehen hat. So ist zum Beispiel die Entwicklung vom Pferdewagen zum Automobil innerhalb von nur zehn Jahren geschehen. Ich denke, eine Mobilitätswende kann also sehr schnell erfolgen.

Dann ist die deutsche Wiedervereini­gung ein gutes Beispiel. Wenn die Menschen etwas wollen, dann gelingt die Veränderung. Dem Mobil- bezie­hungsweise Smartphone wurde von den Telefongesellschaften keine Chan­ce eingeräumt, doch es hat seinen Sie­geszug gefeiert. Ähnlich ist es bei den erneuerbaren Energien.

Wir sehen heute schon, dass weltweit mehr Investitionen in die erneuerbaren Energien als in die konventionellen Energien fließen. Diese Dynamik muss verstärkt werden.

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