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Interview Kron

"Weltweite Vernetzung als Ansatz für mehr Gerechtigkeit!"

KAB-Mitglied Heribert Kron berichtet aus dem WM-Land Brasilien


Bundesweit hat die KAB mit der Aktion Steilpass Unterschriften gesammelt und auf die soziale Situation in Brasilien hingewiesen, die sich nicht zuletzt durch die Milliarden Ausgaben für die Fußball-WM verschärft haben. Heribert Kron. Vorsitzender des Internationalen Ausschusses der KAB Deutschlands war mit anderen Vertretern des Bündnisses Steilpass nach Brasilien gereist, um sich dort gemeinsam mit der brasilianischen Bischofskonferenz bei der Regierung für Menschen- und Sozialrechte einzusetzen. KAB-Online befragte das KAB-Mitglied nach der Rückkehr über die Situation im WM-Land Brasilien.


kab-online: Herr Kron, im Fernsehen haben wir die Proteste vieler Brasilianer vor dem WM-Eröffnungsspiel in Sao Paulo gesehen. Wie ist derzeit die Situation im WM-Land Brasilien?

Heribert Kron: Es fällt zuerst auf, dass die Häuser, die Straßen kaum geschmückt sind. In einem so Fußball verliebten Land waren nur wenige brasilianische Fahnen an den Häusern, und nur wenige Autos haben Fähnchen.

Man sagte uns, dass es bei anderen Weltmeisterschaften, die nicht in Brasilien stattfanden, wesentlich mehr Fanschmuck und damit mehr Enthusiasmus  gab. In den letzten Tagen haben wohl die Kommunen noch Bänder in den Nationalfarben über den Straßen anbringen lassen.

kab-online: Vertreter des Bündnisses Steilpass haben auch soziale Einrichtungen in Brasilien besucht. Fehlt es dort an staatlicher Unterstützung? Oder sind die Gelder in die Stadionbauten geflossen?

Kron: Das kann man so nicht sagen. Die Projekte werden auch vom Staat gefördert, aber noch nie in kostendeckender Weise. Unterstützung seitens der Hilfswerke war auch bisher  nötig. Man hat uns berichtet, dass die Gelder für das Gesundheitssystem, den dringend notwendigen  Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, die Schulen und Bildungseinrichtungen gekürzt wurden.  

kab-online: In Brasilia nahm die Delegation des „Steilpass“-Bündnisses an einer Demonstration teil, die von der Brasilianischen Ordenskonferenz organisiert? Worum ging es bei diesem Protestmarsch in der brasilianischen Hauptstadt? 

 
Kron: Die Demonstration war ein deutliches Zeichen gegen den Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger in Brasilien und in der Welt. Anlass ist natürlich die aktuelle WM. Bei den Massenveranstaltungen steigt die Zahl der Zwangsprostituierten sprunghaft an.

Zwangsprostitution durch direkten Zwang auf die Frauen und zumeist Mädchen, Zwangsprostitution durch die gesellschaftlichen Verhältnisse. Frauen müssen sich für ihren und ihrer Kinder Lebensunterhalt  prostituieren. In dem Zusammenhang haben wir erfahren, dass die fürchterliche Droge Crack die Menschen schneller und zerstörerischer abhängig macht als viele andere billige Suchtmittel. 

"Profitgier zerstört Liebe zum Fußball !"

kab-online: Wie wurde eure Unterstützung gewertet, auch in Bezug auf die brasilianische Bischofskonferenz?

Kron: Es gibt ein gemeinsames Projekt Steilpass. Träger sind Adveniat, DJK, KLJB, Kolping International, die Brasilianische Ordenskonferenz, und die Brasilianische Bischofskonferenz. Diese Aufzählung zeigt, dass es uns wichtig ist, dass es ein gemeinsames Handeln  für die Menschen in Brasilien gibt. Wir sind gemeinsam aufgetreten bei der Brasilianischen Regierung und konnten die Petition mit den Forderungen der brasilianischen Bischofskonferenz im Präsidentenpalast übergeben.

Diese wird auch der deutschen Bundesregierung,  den Vereinten Nationen und natürlich dem Fußballweltverbandverband FIFA und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) übergeben.

Ziel ist es, dass sportliche Großveranstaltungen nicht mehr zu Lasten der Menschen in den Austragungsländern gehen. Es ist schlimm, dass die FIFA die Freude am Fußball durch die westliche, kapitalistische Profitgier zunichte gemacht hat.

kab-online: Abgesehen davon, dass Brasilien möglicherweise Weltmeister wird. Glauben die Brasilianer, dass sich mit der WM die Situation im Land verbessern wird?


Kron: Durch die WM wird sich für die armen Menschen in Brasilien nichts verbessern. 

kab-onlne: Zu den Bündnispartnern gehören Kolping, Landvolkbewegung, Adveniat und natürlich auch die KAB. Wie unterstützt das Bündnis jetzt die Partnerbewegung in Brasilien?


Kron: Unsere Aufgabe wird es sein, genau zu erfragen, was denn für unsere Partner wichtig ist. Einer Antwort will ich nicht vorgreifen.

Unsere Gesprächspartner haben häufig gesagt, dass - im Sinne von Papst Franziskus - ein stärkeres Engagement für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit eingefordert werden müsste. Die weltweite Vernetzung und Stärkung der gesellschaftlichen Handelns könnte ein Ansatz sein.

kab-online: Wie geht es weiter?

Kron: Der nächste Schritt in diesem Bündnis ist die Olympiade 2016. Deshalb wird die  Zusammenarbeit weitergehen. Wichtige Inhalte und kritische Themen sind der Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger in Brasilien aber auch weltweit. Auch die  Herabsetzung der Strafmündigkeit ist ein Problem und verbaut unzähligen jungen Menschen die Zukunft. Deshalb werden wir weiter verstärkt versuchen, die brasilianische KAB, beziehungsweise MTC, mit in die Kampagne einzubeziehen. 

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