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Arbeitslosigkeit in Europa: Jugendliche sind die Verlierer

Köln/Pombal, 12. Oktober 2016. Menschenwürdige Arbeit für alle, so lautet die zentrale Botschaft eines Seminars der LOC/MTC Portugals zum 7. Oktober, dem Welttag für menschenwürdige Arbeit. "Wenn in Portugal über Arbeitslosigkeit gesprochen wird, dann sind vor allem Jugendliche gemeint", berichtet Wilfried Wienen, Europaexperte der KAB und Teilnehmer dieses Seminars. In dem EU-Land sind fast ein Drittel aller Jugendlichen unter 25 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen.
„Viele Jugendliche sind ohne Perspektive und mutlos, sie haben kein Lebensprojekt mehr vor Augen“, berichtet Lisandra Rodrigues, die Vorsitzende der „Christlichen Arbeiterjugend Portugals“, die gleichzeitig Mitglied im „Nationalen Rat der Jugend“ ist, einer Plattform aller Jugendorganisationen in Portugal. 

Bei diesem europäischen Seminar in Pombal zum Thema „Familie und soziale Instabilität“, an dem eine Delegation der KAB teilnahm, war die schwierige Situation der Jugendlichen immer präsent. "Seit Jahren liegt die Jugendarbeitslosigkeit im europäischen Schnitt auf einem hohen Niveau von über 20 Prozent, das ist die unglaubliche Zahl von fünf Millionen Jugendliche, alle mit ihren persönlichen Schicksalen", so Wienen weiter.  "Vor allem in Südeuropa, in Ländern wie Spanien und Griechenland bleibt jeder zweite in der Altersgruppe bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche erfolglos. Neben Portugal ist in Italien und Kroatien ebenfalls jeder Dritte betroffen, in Frankreich und Belgien ist es jeder Vierte". 

Seit 2012 gibt es die Jugendgarantie der EU, die den Betroffenen innerhalb von vier Monaten einen Arbeitsplatz, eine Ausbildung oder zumindest einen Praktikumsplatz verspricht. Dazu wurde ein Fördertopf in Höhe von gerade mal sechs Milliarden Euro geschaffen. "Nach fast vier Jahren ist das Ergebnis, das erzielt wurde, erschreckend", resümiert der KAB-Experte. Die zuständige EU-Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikation und Arbeitskräftemobilität, Marianne Thyssen behaupte zwar, das die Maßnahmen und Reformen im Rahmen der Jugendgarantie für mehr als neun Millionen junge Menschen etwas zum Positiven verändert hätten, doch die Zahl der betroffenen Jugendlichen sei kaum gesunken, was im hohen Maße mit der mangelnden Umsetzung in den einzelnen Mitgliedstaaten zu tun habe. 

Viele portugiesische Jugendliche denken ob dieser schlechten Startchancen daran auszuwandern und ihr Glück im Ausland zu versuchen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Lisandra Rodrigues zitierte aus einem Brief eines 30jährigen Portugiesen, der bereits nach fünf Jahren Aufenthalt in den Niederlanden wieder in seine Heimat zurück gekehrt ist: „Viele Leute haben vermutlich nie darüber nachgedacht wie schwierig es ist sein Land zu verlassen: die andere Sprache, andere Kultur, das andere Essen und das Heimweh. Mann braucht Mut, Stärke und Beharrlichkeit. Nie war das Leben für mich so schwer, wie in dieser Zeit. Arbeiten von morgens bis in die Nacht. Diese fünf Jahre haben mich gefordert, physisch und geistlich. Mein Entschluss war, nach fünf Jahren in die Heimat zurück zu gehen, um gesund zu bleiben. Das war eine schwierige Entscheidung. Ich danke allen, die mich dabei unterstützt haben. Hoffentlich wird mir diese Entscheidung nicht als Schwäche angerechnet. Aber, für Geld kann man mir meine Würde nicht abkaufen.“

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