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Sozialwahlen 2017 - "Es ist gut, wenn sich drei für Sie stark machen"

Ein Interview mit Hannes Kreller, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Bund und Stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat der DAK Gesundheit

Publik Forum: Herr Kreller, ich habe gerade die Unterlagen für die Sozialwahl bei einer großen Ersatzkasse bekommen. Warum soll ich mich daran beteiligen?

Hannes Kreller: Über die Selbstverwaltung nehmen die Versicherten selbst Einfluss auf ihre Angelegenheiten. Für uns ist klar: wer Beiträge zahlt, soll auch mitbestimmen. Nicht der Staat trifft die Entscheidungen, sonder die ehrenamtlichen Versichertenvertreter.  Und diese Ehrenamtlichen entscheiden auch über persönliche Anliegen der Versicherten. Unzufriedenheit über Bescheide der Krankenkassen werden in Widerspruchsausschüssen von den Versicherten geklärt. Ehrenamtliche Versichertenberater der Rentenversicherung unterstützen die Bürger bei der Beantragung der Altersrenten. Dadurch sind die Sozialversicherungsträger nah am Menschen.

PF: Sind denn nicht alle wichtigen Entscheidungen von Renten- und Krankenkassen gesetzlich geregelt?

HK: Der Staat setzt zwar den politischen Rahmen – aber: die Selbstverwaltung füllt diesen Rahmen eigenständig aus. Welche Leistungen bei den Krankenkassen neben den gesetzlichen Vorgaben übernommen werden, entscheidet der Verwaltungsrat. Sie prüfen die Versorgungsqualität und legen einen hohen Wert auf Prävention und Gesundheitsförderung. An den Beispielen wird sichtbar, dass es bei der Selbstverwaltung nicht nur um Ziele geht, sondern um konkrete Hilfestellung und gesundheitliche Förderung der Menschen. 

PF: In einigen Kassen gibt es so viele Kandidaten wie Mitglieder des Verwaltungsrates. Was gibt es da zu wählen? – diese Frage verstehe ich leider nicht. Meinst Du, dass in den Kassen so viele „Listen“ gibt wie Mitglieder im Verwaltungsrat? Dazu meine Antwort. 

HK: Bei den Sozialwahlen treten keine Parteien an. Gewerkschaften und Arbeitnehmervereinigungen der Versicherten können sich zur Wahl stellen. Dadurch werden auch unterschiedlichen Interessensschwerpunkte sichtbar. Einige betonen ihre Unabhängigkeit von Gewerkschaften und Parteien oder sie geben sich durch ihren Namen eine besondere Nähe zur jeweiligen Krankenkasse. Für die KAB, Kolping und die evangelischen Freunde ist wichtig, dass die Gesundheit, der Respekt und die Würde jedes Menschen vorrangig sind. Deshalb unser Motto zu den Wahlen: Dreifach Christlich. Einfach Menschlich.

PF: Sie sind in der Rentenversicherung engagiert und in der DAK – worüber entscheiden Sie da?

HK: Die Selbstverwaltung klärt,  wer die Vorstandsaufgaben übernimmt und ob im Unternehmen ausgebildet wird, wie das Serviceangebot gestaltet wird und wie die Beiträge wirtschaftlich eingesetzt werden. Die Finanzen spielen eine große Rolle. 

Die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung entscheidet im Rahmen ihres Budgetrechts über einen Haushalt mit 137 Milliarden Euro, der zweitgrößte Haushalt in Deutschland. Eine hohe Verantwortung für die ehrenamtlichen Vertreter der Versicherten. Im Bereich der Reha Maßnahmen werden die Qualitätsansprüche geprüft und die Vergleichbarkeit mit den privaten Anbietern herbeigeführt. Aus den Beispielen kann man ersehen, dass die Selbstverwaltung kräftig mitmischt und Standards bei den Krankenkassen und Rentenversicherungen setzt.  

PF: Sie kandidieren jetzt wieder, was wollen Sie, was andere nicht wollen?

HK: Es gibt eine klare Linie gegenüber den Arbeitgebern. Nach der Finanzkrise drängeln sie wieder für mehr Privatisierung. Dies wird deutlich ob Reha-Kliniken saniert oder verkauft werden. Ich stehe für Sanierung, um die Standards der Qualität der Reha Maßnahmen durch die Rentenversicherung zu setzen. 

Für mich steht auch nicht die einzelne Krankenkasse oder der regionale Rentenversicherungsträger im Mittelpunkt. Wichtig ist mir eine optimale Vernetzung von Prävention und Gesundheitsförderung, Krankenbehandlung, Rehabilitation, Pflege und soziale Dienste. Das Gesundheitswesen muss sich in den nächsten Jahren besser auf eine alternde Gesellschaft einstellen. Dieser gesamtgesellschaftlicher Überblick fehlt oft den freien Listen, die keine bundesweite Organisation, wie die christlichen Verbände im Rücken haben. 

PF: Was war denn in der DAK zum Beispiel die wichtigste Kontroverse in den letzten Jahren?

HK: Zwischen den Krankenkasse werden größere gesundheitliche Risiken durch die Krankenkassen ausgeglichen. Leider ist dieser finanzielle Ausgleich unzureichend. Dies führte bei der DAK u.a. zu einer Klärung über die Anzahl und die Ausrichtung der zukünftigen regionalen Servicestellen. Das war und ist für den Verwaltungsrat und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DAK eine große Herausforderung. Ich bin froh, dass dies durch den Einsatz des Vorstands, des Verwaltungsrats und der Belegschaft mit ihrem Betriebsrat  gut bewältigt wurde und neue Perspektiven ermöglicht hat.

PF: Lässt sich ein Schlusssatz einbauen?

HK: Als Christen sind wir herausgefordert uns gesellschaftlich einzumischen. Dafür engagieren sich Mitglieder aus der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, Kolping und der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen. Wir freuen uns über jedes „Kreuz“, das auf den Wahlzettel bei den christlichen Verbänden hinterlassen wird. Denn es ist gut, wenn sich drei für Sie stark machen.
 
Das Interview führte Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur von Publik Forum

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