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Gottesdienst

Gottesdienstgestaltung

Gottesdienstelemente und Predigtentwurf

Kyrie-Rufe:

o Herr Jesus Christus – in Dir hat das Erbarmen Gottes und seine Gerechtigkeit Gestalt angenommen, Du bist Mensch geworden – uns in allem gleich...

o Du hast Dich der Verängstigten, der Bedrückten und Bedrängten Deiner Zeit angenommen. Du bist gekommen, den Armen gute Nachricht zu bringen, Gefangene zu befreien und Blinden das Augenlicht zu schenken....

o Das Reich Gottes, eine neue Wirklichkeit, gutes Leben für alle beginnt hier und heute, wo wir Dir nachfolgen, eintreten für Gerechtigkeit und kämpfen aus Liebe...

Tagesgebet:

Guter Gott, die Welt der Arbeit erfüllt viele Menschen mit Kummer und Sorge. Angst und Unsicherheit machen sich breit. Manche zerbrechen fast unter ihrer Arbeitslast, andere gehen an der Arbeitslosigkeit zugrunde. Mache uns als Christinnen und Christen fähig, in der Arbeitswelt verantwortlich zu handeln. Stärke alle, die sich als Vertrauensleute und Betriebsräte einsetzen für Recht und Würde der arbeitenden Menschen. Darum bitten wir Dich im Namen Deines Sohnes Jesus Christus, der selbst eines Zimmermanns Sohn geworden ist, der uns voranging und mit Dir lebt und herrscht in Ewigkeit...

Lesung: Apg 19,21-40; Evangelium Lk 4, 14 - 19

Predigtvorschlag

ARBEITSKAMPF IN EPHESUS Von einem spektakulären Arbeitskampf berichtet die Apostelgeschichte in der heutigen Lesung. Die Silberschmiede in Ephesus waren in den Ausstand getreten. Sie kämpften mit dem Mut der Verzweiflung um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die einflussreiche Zunft lebte nämlich von „Religiöser Kunst“, so würden wir heute sagen. Die absoluten Renner in ihrem Sortiment gingen weg wie warme Semmeln, nämlich kleine, silberne Tempelchen und hübsche Statuetten der Artemis, die man im Wallfahrtsort Ephesus als Lokalgöttin verehrte. Was war geschehen? Nun – immer mehr Epheser interessierten sich für den „neuen Weg“, so heißt es in der Apostelgeschichte, und das bedeutet: sie wandten sich dem Christentum zu. Und damit war natürlich ein jäher Umsatzeinbruch im Devotionalienhandel und die Arbeitslosigkeit der Silberschmiede vorprogrammiert. Und nirgendwo eine Ersatzproduktion in Sicht! Wenn eine Wallfahrt einbricht, erschüttert das den ganzen Wallfahrtsort. Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Zulieferindustrie – sie alle reißt es ja in diesen Strudel mit hinein.Schnell sprang der Funke des Aufruhrs über auf die ganze Stadt. Es kam zu einer Massen-Demo im riesigen Amphitheater. Um ein Haar hätte man da zwei Christen gelyncht, wäre es einem besonnenen Beamten nicht in letzter Sekunde gelungen, die Wogen zu glätten. Leider wissen wir nicht, was aus den Arbeitsplätzen der Silberschmiede geworden ist. Aber eines wissen wir aus eigener, leidvoller Erfahrung: Wenn Arbeitsplätze wegbrechen, gehen auch heute Menschen auf die Barrikaden. Da wird lautstark mit Trillerpfeifen und Transparenten demonstriert, da werden Fabriken umzingelt oder besetzt. Man trägt auch schon mal einen Sarg mit im Zug, zum Zeichen für den drohenden sozialen Tod. Dramatische Szenen! Sie lassen erkennen, was – damals und heute – Erwerbsarbeit für all jene bedeutet, die nur ihre Haut zu Markte tragen können. Denn Erwerbsarbeit ist Broterwerb, Existenzsicherung. Mehr noch: Sie garantiert soziale Sicherheit in Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit. Ja – sie schafft sogar sozialen Status, man ist wer aufgrund seiner Arbeit. Und dann kommt plötzlich das „Aus“!

MACHT UND OHNMACHT DER BETRIEBSRÄTE

In diesen Monaten werden in den Betrieben unserer Republik neue Betriebsräte gewählt. Für sie sind Entlassungen und Betriebsschließungen ein einziger Alptraum. Nichts fürchten sie mehr, als bei der Personalauswahl für Kündigungen oder bei der Abwicklung einer Firma mitwirken zu müssen. „Ich komme mir vor wie ein Scharfrichter“, klagte einer. Nicht selten geraten sie noch selbst ins Kreuzfeuer der Kritik. Dabei reichen die kümmerlichen Mitbestimmungsrechte des Gesetzes natürlich bei weitem nicht aus, um Entlassungen oder gar Schließungen abzuwenden. Betriebsräte hätten auch bei den Silberschmieden in Ephesus nichts ausrichten können. Kämpfen sie denn von vorneherein auf verlorenem Posten? Wozu brauchen wir sie dann, wenn sie nur schönwettertauglich sind? Gewiss – der Gesetzgeber hat Betriebsräte eng in die Loyalität zu ihrem Betrieb eingebunden. Sie können kaum die Muskeln spielen lassen. Da sind sie ganz auf ihre Gewerkschaften angewiesen. Wohl aber können sie Anwälte der Beschäftigten sein und eintreten für Recht und Würde der Arbeit.

BETRIEBSRAT AUS CHRISTLICHER VERANTWORTUNG

Die „Antrittsrede“ Jesu (Evangelium), dem Propheten Jesaja entliehen, ist für alle Getauften Programm. Betriebsräte werden sich in ihrem tagtäglichen Auftrag darin nicht nur wiederfinden, sondern sich bestätigt und ermutigt fühlen. Denn in dem, was sie tun, kommen sie diesem „Grundsatzprogramm“ Jesu sehr nahe: „Er hat mich gesandt, den Armen gute Nachricht zu bringen...“ „Arm dran“ sind heute viele in der Arbeitswelt: das Millionenheer derer, denen man die Arbeit aus der Hand geschlagen und die man auf „Null“ gesetzt hat. Die anderen, die Überbeschäftigten, deren Leben allein auf das Arbeitsleben hin zusammenschrumpft. Aber auch all jene, die in Mini-Jobs arbeiten, ohne ausreichende soziale Sicherung, in befristeter Arbeit ohne Perspektive, in Leiharbeit und Scheinselbständigkeit – in jedem Fall Arbeit mit weniger Rechten und damit auch mit weniger Würde. Haben Betriebsräte für sie „Gute Nachricht“? Ja, wenn sie im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten Gesetze und Tarife überwachen, wenn sie Sorge tragen für gerechten Lohn, für humane Arbeitsbedingungen, den Abbau von Überstunden, für Neueinstellungen und für Beschäftigungssicherung.

„...den Gefangenen Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht“

Gefangen und blind, „betriebsblind“ – das sind heute viele in der modernen Arbeitswelt. Sie sehen nur noch Effizienz und messen sie in nackten Zahlen. Ihr Blickwinkel hat sich zum Tunnel-Blick verengt: „Shareholder value“ – allein die Kapitalrendite entscheidet über unternehmerisches Handeln. „Blindlings“ werden abenteuerliche Gewinnerwartungen ausgestoßen und realisiert. Sie sind über Wachstum gar nicht mehr zu erzielen, sondern nur noch über Kostensenkungen und Entlassungen. Schon deren Ankündigung treibt die Aktienkurse nach oben. Wirtschaft und Politik sind in Gefangenschaft geraten, haben sich auf Gedeih und Verderb den Finanzmärkten ausgeliefert und müssen nach deren Pfeife tanzen. Da stoßen Betriebsräte freilich an ihre Grenzen, rechtlich und menschlich. Aber sie versuchen, was in ihrer Macht steht. Sie organisieren Widerstand, wenn „Heuschrecken“ über solide Betriebe herfallen. Sie öffnen Blinden die Augen, setzen geduldig auf die Kraft des besseren Arguments. In vielen Fällen waren sie schon die „besseren Unternehmer“. So konnten dank ihres „Durchblicks“ Arbeitsplätze gerettet, Produktionen fortgeführt und Produktivität erzielt werden.

„die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen....“

Die Arbeitswelt von heute „zerschlägt“ viele Lebensentwürfe. Sie zersetzt auch oft die Solidarität. Angesichts der Massenarbeitslosigkeit ist nämlich die Angst allgegenwärtig: Wird der Laden überleben, werde ich überleben können? Angst schweißt nicht automatisch zusammen, wahrscheinlicher schon, dass sie ent-solidarisiert. Mobbing – oft von den Führungskräften inszeniert, um Arbeitskräfte auf die kalte Tour loszuwerden – zermürbt immer mehr Menschen an Leib und Seele. Wo solch elementare Angst einem fast den Atem raubt, reagieren Menschen wie Ertrinkende und schlagen nur noch um sich. „Rette sich, wer kann...“ Ein Leichtes, eine solche Belegschaft zu spalten und Gruppen oder Personen gegeneinander auszuspielen. An den Betriebsräten liegt es nun in erster Linie, ob sie Wut in Mut und Angst in Solidarität umwandeln, „Zerschlagene in Freiheit“ führen können. Nur solidarische Belegschaften sind wehrhafte Belegschaften.

„und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen...“

Das „Gnadenjahr des Herrn“ deutet hin auf die gewaltige Vision des „Reiches Gottes“. Sie spiegelt sich in Israel im gut gemeinten, aber oft vergeblichen Versuch, alle 25 Jahre über ein Erlassjahr noch einmal von vorn zu beginnen, nämlich Fronschuldner, Sklaven in Freiheit zu setzen, Schulden zu erlassen und die Güter neu zu verteilen. Unsere Gesellschaft ist eine visionslose Gesellschaft geworden. Fast schicksalhaft ertragen wir ein Wirtschaftssystem, dem wir uns selber ausgeliefert haben. Es ist keineswegs zukunftsfähig, denn der Kapitalismus spaltet die Menschheit, ist außerstande, alle sie mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen, geschweige sie über Arbeit und Einkommen zu beteiligen. Mit den Gewerkschaften und ihren Betriebsräten verbindet uns Christen die Vision, dass es eine Gesellschaft gibt jenseits dieses ausbeuterischen Systems, nämlich eine soziale, ökologische und demokratisch legitimierte Marktwirtschaft. Ihre Ziele sind Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Ohne eine solche Vision im Herzen halten Betriebsräte ihrer schweren Aufgabe der Interessenvertretung kaum stand. Die Resignation wäre allgegenwärtig, würden andere nicht mittragen und fortführen, was einem selbst nicht gelingt. Denn das „Gnadenjahr“ deutet ja nicht umsonst auch an, dass „Gnade“ mit im Spiel ist, dass Bewusstsein in der Gesellschaft wachsen und reifen kann und nicht alles Verdienst ist, sondern Geschenk. Betriebsseelsorge und KAB begleiten die Betriebsräte mit großer Hochachtung und Aufmerksamkeit. Denn sie sind nicht selten die eigentlichen „Betriebsseelsorger“, Vertrauensleute und Anlaufstellen für vielerlei Nöte und Sorgen der Beschäftigten. Die meisten tun ihren Dienst an den Menschen aus Hingabe und Überzeugung. Aber auch sie sind nur Menschen und nicht frei von Versuchung, wie uns die jüngsten Erfahrungen gelehrt haben. Daher treten wir als christliche Gemeinde auch ein ins Gebet für all die Frauen und Männer, die sich für dieses Mandat bereit erklären. Möge es ihnen – zusammen mit starken Gewerkschaften im Hintergrund – gelingen, glaubwürdig und überzeugend die Interessen der abhängig Beschäftigten zu vertreten und diesen Dienst aus Verantwortung und Liebe heraus zu tun. Paul Schobel, Stuttgart

Fürbitten:

Guter Gott, Du hast Dein Volk Israel herausgeführt aus Knechtschaft und Elend in Ägypten. Und Dein Sohn Jesus Christus ist ein Freund der Armen und Benachteiligten geworden, der seiner Berufung treu blieb bis in den Tod. Wir bitten Dich:

  • Für alle Betriebsrätinnen und Betriebsräte: Herr, gib ihnen Mut und Kraft, dass sie - getragen von der Solidarität ihrer Belegschaften - die Interessen der Beschäftigten entschieden vertreten, vor Konflikten nicht zurückschrecken und eintreten für Recht und Würde der arbeitenden Menschen...
  • Für die Vertrauensleute und die Funktionäre in den Gewerkschaften: dass sie sich einsetzen für die Schwachen und Benachteiligten. Schenke ihnen Ideen und Phantasie, Arbeit und Einkommen wirksam zu verteilen...
  • Für alle Getauften: dass wir unser Christsein auch in der Welt der Arbeit glaubwürdig leben durch Menschlichkeit und Solidarität. Wecke in vielen von uns die Bereitschaft zur Kandidatur als Betriebsrat, um dadurch Zeugnis zu geben für Gottes Gerechtigkeit und Liebe...
  • Für die Unternehmensleitungen: dass sie nicht nur Renditen und Aktienkurse im Auge haben, haben, sondern auch für Vollbeschäftigung und menschenwürdige und gerecht entlohnte Arbeit Sorge tragen. Dass sie vor allem den jungen Menschen den Weg in Ausbildung und Arbeit eröffnen....
  • Für alle Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik: lass sie erkennen, dass „Kapitalismus pur“ Sünde ist und sie nicht allein auf Markt und Wettbewerb setzen können. Mache sie fähig zu einer Politik für Arbeit und soziale Gerechtigkeit....
  • Für die Kirchen: dass den Worten Taten folgen und sie ihre Aussagen auch politisch vertreten, sei es gelegen oder ungelegen. Dass sie Menschen befähigen und begleiten, in Arbeit, Wirtschaft und Politik ihr Christsein zu leben.

Herr Jesus Christus, lade uns nun ein zu Deinem Mahl. Denn wir sind Freunde und nicht Knechte. Lass uns Sorge tragen auch in der Welt der Arbeit, dass die Menschen dort Erbarmen, aber auch Recht und Würde finden. Darum bitten wir Dich, Christus unsern Herrn....

Gabengebet:

Brot und Wein haben wir auf dem Tisch des Altares bereitet - Früchte unserer Arbeit und Geschenk Gottes für uns. Wenn wir teilen, werden wir alle Anteil haben an Jesus Christus. Lehre, guter Gott, uns das Teilen auch in Arbeit und Gesellschaft, dass die Menschen Dein Erbarmen und Deine Gerechtigkeit erfahren....

Meditation nach der Kommunion

„Habt darum den Mut, Zeugnis abzulegen von der zweifachen Dimension eurer Existenz als Arbeiter und als Christen. Tragt dazu bei, jede Form der Solidarität mit dem Geist der christlichen Gemeinschaft zu bereichern. Kündet den Namen Christi, des Zimmermanns, des Gottessohnes, des wahren Befreiers von allen Übeln, die den Menschen gefangen-halten und ihn bedrohen. Kündet ihn in euren Familien, in euren Fabriken, auf euren Arbeitsplätzen und in euren Werkstätten! Lasst alle Christen teilnehmen an den Nöten und Freuden, an den Problemen und Hoffnungen der Welt der Arbeit. Ergreift Partei, auch wenn ihr nicht immer Beifall findet; tretet ein für die Weisungen von Glaube und Kirche, auch wenn sie Widerstand auslösen und zur Entscheidung zwingen. Seid Sauerteig und Same einer christlichen Präsenz überall dort, wo Arbeiter leben. Dann breitet sich Gottes Herrschaft aus, und christliches Handeln, Geschwisterlichkeit und Solidarität unter allen Menschen wachsen. Die Kirche vertraut euch, wenn ihr darangeht, den Arbeitern das Evangelium zu bringen und sie dadurch umfassend zu befreien...“ (Papstbotschaft vom 15. Mai 1981 zur 90-Jahrfeier von „Rerum novarum“)

Schlussgebet:

Christus braucht unsere Füße, um heute zu den Menschen zu gehen. Christus braucht unsere Hände, um heute Menschen zu heilen. Christus braucht unseren Mund, um heute Frieden zu stiften. Christus braucht unser Gesicht, um heute Hoffnung zu geben. Christus braucht unser Herz, um heute die Menschen zu lieben. Wir sind das Brot, das er heute verteilt. Wir sind das Evangelium, das er heute verkündet. Wir sind die Bibel, die die Welt heute liest. Wir sind Gottes Botschaft, in Worten und Taten geschrieben. Herr, lebe in uns, Handle durch uns, Lebe in uns, Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens!

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