Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie auf "Akzeptieren" klicken, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung zu.

Würzburger Programm

"Magna Charta" der KAB

Antwort auf fast alle Fragen – das erste gemeinsame Grundsatzprogramm der KAB feiert hundertsten Geburtstag

Vor genau hundert Jahren kamen im Mai 1921 die Regionalverbände der KAB mit Sitz in Köln, München, Berlin und dem damals niederschlesischen Neiße in Würzburg zu einem ersten deutschlandweiten Verbandstag zusammen. Diese Versammlung fand inmitten der Wirren der ersten Jahre der Weimarer Republik statt. Vor dem Hintergrund der astronomischen Reparationszahlungen, die für den verlorenen Krieg an die Siegermächte zu zahlen waren, der Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und fortdauernder gewalttätiger Unruhen im ganzen Land suchte die Katholische Arbeitnehmerbewegung nach ihrem Platz in der jungen deutschen Demokratie. Allen Beteiligten war klar, dass die bisherige Aufsplitterung des Verbandes in sehr unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Regional- und Richtungsinteressen überwunden werden musste. Daher standen die Beratungen über ein erstes gemeinsames Grundsatzprogramm im Mittelpunkt. Rückblickend wurde deren Ergebnis mit dem Ehrentitel „Magna Charta“ der KAB versehen.

Aus heutiger Sicht überrascht der Weitblick, mit dem sich die damaligen Delegierten den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit zugewandt haben. Mit dem sicheren Blick für die großen Zusammenhänge fordern sie unter anderem eine Wirtschaftsordnung, die dem wirtschaftlichen und „geistlich-sittlichen“ Gemeinwohl verpflichtet ist. Sie plädieren für die notwendige Sozialisierung einzelner Branchen im Bereich der Grundversorgung, um unsoziale Monopolbildungen auszuschließen. Genauso finden sich „Klassiker“ wie die Betonung des personalen Charakters der Arbeit und deren gerechte Entlohnung in Form eines „kulturellen Existenzminimums“ und die Eigentumsbildung in Arbeiterhand. Mit Blick auf die Kirche unterstreichen die Beteiligten die grundlegende Bedeutung der christlichen Glaubens- und Sittenlehre für ihr Handeln.

Maßgeblich hatte der spätere KAB-Bekenner und Märtyrer Prälat Otto Müller an diesem Programm mitgeschrieben. Stolz stellt er am 7. Mai 1921 fest: „Hier wurden zu allen wichtigen Fragen, nicht bloß zu denen des wirtschaftlichen Lebens, sondern auch des kulturellen […] und des staatlichen und selbstredend auch des religiösen die Anschauungen und Ziele einer Katholischen Arbeiter-Bewegung ausgesprochen.“ (Ketteler-Wacht 1971-4,4). Aus heutiger Sicht befremdet der deutsch-nationale Pathos des Textes und das exklusive Plädoyer für die Zentrumspartei als politischem Partner. Dies führte kurz- und langfristig zu eine schnellen Einsortierung der katholischen Arbeitervereine in die entsprechenden Schubladen, die noch weit die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg die Eigen- und Fremdwahrnehmung prägen sollte. 

Wie dem auch sei. Trotz seiner vielversprechenden Ansätze konnte sich das „Würzburger Programm“ nicht wirklich durchsetzen. Dies lag zum einen am noch lange in der KAB föderalen Auseinanderstreben, zum anderen aber an der schnell an Dramatik zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Krise der Weimarer Republik. Beispielhaft stand Prälat Müller wenige Jahre später ganz im Zeichen eines verzweifelten Abwehrkampfs gegen die nationalsozialistische Bedrohung. Hierfür verdient die KAB noch mehr Anerkennung als für ihren ersten großen gemeinsamen Entwurf eines zukunftweisenden Programms.

Bundespräses Stefan B. Eirich

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

mehrweniger

Adresse

KAB Deutschlands e. V.
Bernhard-Letterhaus-Str. 26
50670 Köln
Telefon: 0221/7722 - 0
Kontakt

Unterstützen Sie die KAB

Jede Spende hilft!

Unterstützen Sie die Projekte der KAB und stärken Sie die selbständige Vereinigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Mitglied werden

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.

KAB - Tritt ein!